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Dieses Thema hat 13 Antworten
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 Gesellschaft 2.0
claus Offline



Beiträge: 12

22.01.2009 16:09
Arbeit und Lohn antworten
* Ist das Konzept einer relativ einheitlichen Grundversorgung für alle Bürger ein brauchbares Konzept für eine zukünftige Gesellschaft ?

* Ist kostenloses Schaffen neuer Produkte (aus Begeisterung und Freude am Arbeitsprozeß) und deren kostenloses Bereitstellen für die Öffentlichkeit (Open Source Freeware Idee) ein Zukunftsmodell für immer mehr Lebensbereiche ?

* Gesetzt den Fall, in einer zukünftigen Gesellschaft sind immer noch einige UNANGENEHME Arbeiten von Menschen zu erledigen. Dann scheint eine angemessene Entlohnung nach wie vor sinnvoll. Sollte sich die Entlohnung vorallem nach dem Nutzen der Arbeit für die Allgemeinheit richten, oder nach dem Leid für den Arbeitenden ? Was sind gerechte Kriterien für Entlohnung ? Wie könnte man ein automatisches soiales Netzwerk-System installieren, das gerechte Löhne findet (Natürlich jenseits vom Modell des freien Marktes - dieser scheint ja im Bereich der Arbeit schlecht zu funktionieren) ?
hans ( Gast )
Beiträge:

22.01.2009 22:21
#2 RE: Arbeit und Lohn antworten

* Ich unterstelle mal ein Grundeinkommen, ohne dafür arbeiten zu müssen. Neben Schaffen von Gütern und Dienstleistungen gegen mehr oder weniger Geld hat Arbeiten weitere Aspekte: Leute aufräumen, Sozialkontakte, Status, gesellschaftliche Kontrolle. Ich vermute, dass bei Wegfall von Zwang zur Arbeit ohne geeignete Ersatzangebote eine gesellschaftliche Ordnung nicht möglich ist: steigende Kriminalität, zunehmende Vereinsamung, Drogenmissbrauch, Zweiklassengesellschaft, Radikalisierung, Sekten.

* man müsste schon ein extremer Idealist sein, um wirklich ganz ohne Gegenleistung etwas für die Allgemeinheit zu machen. Die Gegenleistung schließt aber solche immaterieller Art ein, etwa Verbesserung des sozialen Status. Ich vermute aber, dass für derartige virtuelle Währungen ebenfalls ein Erhaltungssatz gilt bzw. sich einer ausbilden würde, ähnlich wie für reale Währungen.

* gibt es überhaupt unangenehme Arbeiten in einem absoluten Sinn? Wie sieht die Verteilung des Grades der Angenehmheit aus (Breite, Symmetrie)?
Vorschlag für ein gerechtes Entlohnungssystem: Man fragt die Leute, für welches Geld sie eine bestimmte (unangenehme) Tätigkeit ausüben würden, der Durchschnitt wird den Betroffenen tatsächlich bezahlt. Ein Zufallsgenerator steckt die Befragten dann mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit in eben diese Jobs (zumindest temporär).
Spass beiseite: Ich meine, dass bei Befragungen die Nebendiagonale der Antwortmatrix (Wunsch des Befragten vs. dessen Betroffenheit) die eigentliche Aussagekraft hat. Unser Gesellschaftssystem (z.B das Entlohnungssystem) basiert weitgehend auf Hauptdiagonalentscheidungen.

Es gibt noch eine entscheidende Asymmetrie: Ein Physiker kann Müll abholen, ein typischer Müllarbeiter keine Physik betreiben. Eine solche Abwärtskompatibilität wird immer eine einseitige Entlohnungsstruktur nach sich ziehen.

claus Offline



Beiträge: 12

23.01.2009 10:42
#3 RE: Arbeit und Lohn antworten
Danke, Hans, ein ausgezeichneter Post ! Anbei einige Bemerkungen und Fragen zu Deinen einzelnen Punkten:

* Zusatz-Funktionen des Arbeitens:

Ich stimme zu, daß das kooperative Verfolgen von Zielen viele äußerst wünschenswerte soziale Nebeneffekte beinhaltet.

Aber durch das Grundeinkommen soll ja Arbeit keineswegs unterdrückt werden. Vielmehr wäre meine Hoffnung, daß die Grundversorgung (GV) Lebens-Zeiträume ermöglicht, in denen einmal keine unmittelbar nach außen sichtbaren Leistungen erbracht werden müssen. Man könnte sich in solchen Phasen z.B. umorientieren, neues lernen, Kontakte knüpfen, etc..

In gewissem Sinn ist diese Möglichkeit ja bereits heute durch die versch. Formen der Arbeitslosen-Unterstützung gegeben. Allerdings sind diese mit dem Makel des Versagens behaftet. Indem Leben auf der Basis der GV der Normalfall wird, dürfte dieser Makel langsam verschwinden.

Außerdem wäre ich dafür, die GV nicht zu hoch anzusetzen, so daß noch genügend Anreiz besteht, durch Arbeit die eigene Situtation zu verbessern.

Die über die GV hinausgehende Bezahlung für durchgeführte Arbeiten sollte man äußerst flexibel gestalten, insbesondere ohne langfristig bindende Arbeitsverträge. Wenn jeder immer in mehr oder weniger vielen bezahlten, zeitlich begrenzten Projekten tätig ist, verliert der Satz "X ist arbeitslos" an Aussagekraft. Es gibt nur noch ein Kontinuum. Und die Projektleiter können auch scheinbar weniger qualifizierten Mitarbeitern eine Chance geben, weil sie nicht viel zu verlieren haben. Natürlich müßte man sehen, wie man gewisse Qualitäts-Standards einhalten kann.


* Immaterielle Gegenleitungen:

Als naiver Idealist liebe ich das Konzept immaterieller Gegenleistungen. Ich finde es nämlich im Grunde traurig, daß heute Prestige so eng an Geld - also Macht - gekoppelt ist. Könnte man sich eine zusätzliche, reine Prestige-Währung vorstellen ? Für diese könnte man sich zwar keine materiellen Güter kaufen, aber z.B. die Berechtigung, bei den besonders spannenden Projekten mitzumachen. Oder man könnte Kompetenz-Punkte sammeln, die einem bei Abstimmungen ein höheres Gewicht verleihen ...

* Frage: Was genau meinst Du mit dem Erhaltungssatz virtueller Währungen ? Sind Währungen nicht gerade durch das Fehlen eines Erhaltungssatzes ausgezeichnet ?

* Zu Deinen anderen spannenden Ideen im letzten Post werde ich noch Stellung nehmen.
hans Offline



Beiträge: 9

25.01.2009 09:50
#4 RE: Arbeit und Lohn antworten

@Claus
Die von dir angesprochenen Ziele setzen eine starke Motivation der Teilnehmer voraus. Ich halte das für einen der wesentlichen Fallstricke eines Grundversorgungssystems. Hoher zu erwartender finanzieller Status ist derzeit ein deutlicher Anreiz zur Motivation, insb. in der Erziehung.
Makel der Arbeitslosigkeit: Man kann sich mit den geringen Einkünften arrangieren und das Einkommen durch Schwarzarbeit und illegale Handlungen erhöhen, bekommt dafür Anerkennung bei seinesgleichen. Ab einer bestimmten Dichte sorgt ein System dieser Art durch positive Rückkopplung für seinen Selbsterhalt.
Die Geschichte der Menschheit zeigt allgemein eine sehr hohe Anfälligkeit des Gesellschaftssystems für solche positiv rückgekoppelten Strukturen (Religion, Esoterik, Kriminalität), in diese Richtung würde sich die Gesellschaft meiner Meinung nach auch bewegen.

Eine Verringerung des Risikos durch kurze Projektlaufzeiten mit Erhöhung der Chancen für weniger qualifizierte halte ich für ausgesprochen hilfreich bei der Umsetzung der Idee der Grundversorgung.




Zur Erhaltung der Währungen: Ein gegen Zu- und Abfuhr von Währung abgeschlossenes Gesellschaftssystem kann seinen durchschnittlichen Lebensstandard halten, wenn die Zufuhr von Gütern (Ausbeutung der Ressourcen) die endliche Lebensdauer der Güter kompensiert. Unter den Voraussetzungen Individuenzahl, Lebensstandard und Ressourcendurchsatz konstant, sollte auch die Währungsmenge konstant bleiben. Jede Änderung der Geldmenge im System ohne Änderung eines der drei Parameter würde lediglich den nominellen Geldwert ändern. Eine echte Änderung der Geldmenge sollte immer mit einer Änderung der angesprochenen Parameter einhergehen.
Ich würde einen ähnlichen Zusammenhang bei virtuellen Währungen vermuten.

claus Offline



Beiträge: 12

25.01.2009 12:11
#5 RE: Arbeit und Lohn antworten
* Motivation der Teilnehmer:

Wenn eine Person dauerhaft unmotiviert ist, an irgendwelchen Projekten teilzunehmen, wenn sie mit dieser Situation zufrieden ist, und wenn die Gesellschaft sich die Auszahlung der GV leisten kann, sehe ich kein Problem. Aber meine Hoffnung ist, daß eine längere Phase in unzufriedener Projektlosigkeit die Motivation für neue Projektaktivitäten selbst hervorbringt, wenn der Wieder-Einstieg wirklich einfach gemacht wird.

* Finanzieller Anreiz:

Es gibt unter den Stundenten - insbesondere in den Wissenschaften, sicher auch in den "Humanities", weniger in der BWL - glückerweise noch viele Idealisten, die ihr Fach aus echtem Interesse, oder zur Vermeidung anderer Alternativen studieren. Von den jungen Physikern aus meinem Umfeld sehen geschätzt weniger als 5% den finanziellen Aspekt als besonders wichtig an.

* Schwarzarbeit und positive Rückkopplung:

Klar, neue Nischen werden in der Evolution exponentiell schnell besetzt, bis Sättigung der Resourcen oder plötzliche Änderungen (Innovationen, neue Gesetze, etc.) eintreten. Aber bei der Schwarzarbeit liegt das Problem doch in den verrückt hohen Steuern. Wenn jede Person, unabhängig von ihren beruflichen Aktivitäten, einen einheitlichen Betrag an Steuern bezahlt, dem man sich in keiner Weise entziehen kann, dann gibt es keine Schwarzarbeit mehr. Oder ?

* Währungs-Erhaltung:

Ich habe Zweifel an dem Erhaltungssatz vorallem wegen dem Zins-Phänomen und wegen des stark virtuellen Charakters der heutigen Finanzwirtschaft (Wetten auf Wetten auf Wetten ...). Banken können virtuelles Geld aus dem Nichts schaffen (siehe hierzu unten im Form: Complexity Bookmarks > Money as Dept).

Da ich die virtuelle Finanzwirtschaft aber nicht verstehe, ziehe ich es auch vor, den ganzen Prozeß physikalisch zu betrachten und mich nur auf den Materiefluß zu konzentrieren. Soweit stimme ich Dir zu: Die Materie fließt von den natürlichen Resourcen in die Produkte. Nach deren Lebensdauer geht bislang leider nur ein kleiner Teil ins Recycling, aber das läßt sich ja prinzipiell technisch in den Griff kriegen.

Soweit ist alles Material/Energie erhalten, wie es sich gehört, auch wenn an den Materie-Fluß dieses seltsame Finanzsystem angekoppelt ist. Der Tausch-Wert eines Finanzobjektes ist ja im Grunde nur eine subjektive Zuschreibung, da ändert auch das Konzept des Markt-Gleichgewichtes nichts daran. Wieso sollten für subjektive Einschätzungen aber Erhaltungssätze gelten ?
claus Offline



Beiträge: 12

25.01.2009 14:45
#6 RE: Arbeit und Lohn antworten
> Wie sieht die Verteilung des Grades der Angenehmheit von Arbeit aus ?

Siehe hierzu "http://de.statista.org/statistik/diagram...etzigen-arbeit/"

Eigentlich gar nicht übel für unser Jammer-Land ...

> Nebendiagonale der Antwortmatrix

Denkst du ernsthaft, die Meinung der Nicht-Betroffenen zu einem Thema sollte mehr Gewicht haben als das der Betroffenen ? Aus früheren Diskussionen mit Dir weiß ich, daß Du auch ein Befürworter der Kompetenz-Gewichtung bist. Du würdest also Fragen gerne von Leuten entscheiden lassen, die objektiv ihre Kompetenz in der jeweiligen Sache nachgewiesen haben, aber selbst nicht betroffen sind ?

Andererseits wissen aber die Betroffenen meist am besten, worauf es in ihrem Feld ankommt. Vielleicht könnte man ein intelligenteres Verfahren konstruieren, welches auf andere Weise verhindert, daß die Betroffenen ihr eigenes Wohlergehen über das der Allgemeinheit stellen.
hans ( Gast )
Beiträge:

01.02.2009 11:34
#7 RE: Arbeit und Lohn antworten

* Motivation:
Was macht eine dauerhaft unmotivierte Person den ganzen Tag? Ich vermute, sie wird sehr schnell sehr anfällig für Sucht, Sekten, Kriminalität. Eine bestimmte Dichte solcher Personen kann von einer Gesellschaft getragen werden, Überschreiten dieser Dichte führt zu Gesellschaftsstrukturen, die nicht im Sinn der GV liegen.

* finanzieller Anreiz:
Im Fall von (Wissenschafts-)Studenten volle Zustimmung. Wieviel % der Bevölkerung fallen in diese Rubrik?

* Schwarzarbeit: Du hast recht, einheitliche Steuern (einkommensunabhängig) => keine Schwarzarbeit

* Währungserhaltung: Ich gehe mal davon aus, dass die gesamte Geldmenge im System proportional zum vorhandenen Warenwert ist. Ein systemweites Verändern des Proportionalitätsfaktors verändert den gesamten nominellen Geldwert. Ich weiche mal die Definition der Erhaltung auf, in dem ich diesen systemweiten Faktor als konstant annehme. Die tatsächliche Bedeutung des Faktors liegt nicht im Wert, sondern dessen zeitlicher Veränderung. Seltsame Konstrukte wie Zinsen ergeben sich in diesem System durch temporäres Festlegen einer Geldmenge an einer Stelle (lokales Erhöhen des nominellen Werts durch lokales Vergrößern des Faktors) bei gleichzeitigem beschleunigtem Durchsatz an anderer Stelle (lokales Verringern des nominellen Werts) als örtlich und zeitlich begrenzte Fluktuationen. Die Fluktuationen sollten innerhalb des Systems ausgeglichen sein.

claus Offline



Beiträge: 12

01.02.2009 14:13
#8 RE: Arbeit und Lohn antworten
* Motivation:

Ich finde es immer wieder erstaunlich, daß so viele - auch sehr junge - Menschen nicht einmal motiviert sind, über das Internet Neues zu lernen. Ich persönlich bekenne mich frei zu einer unstillbaren Informationssucht. Jeden Tag entdecke ich 'zig unglaublich spannende Themen, denen nachzugehen meine Lebenszeit um Größenordnungen zu kurz ist. Aber diese Neugier scheint nicht der Normalfall zu sein. Erst kürzlich hat ein ehemaliger Diplomand von mir, nun Lehrer am Gymnasium, von einer Physikstunde erzählt, in welcher er seinen Schülern über die Evolution des Kosmos vom Urknall bis zur Entstehung des Lebens berichtet hat. Eine Schülerin soll dazu gesagt haben (während sie ihre Fingernägel pflegte), es reiche ihr völlig, wenn sie wisse wo ihre Eltern und Großeltern herkommen....

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Übrigens leide ich in diesem Forum gerade schon wieder am meinem alten Problem:

http://176002.homepagemodules.de/t3f4-Ag...tion.html#msg11

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claus Offline



Beiträge: 12

01.02.2009 15:30
#9 RE: Arbeit und Lohn antworten
* Erhaltungssätze in der (Finanz-)Wirtschaft

Es ist traurig, wie schlecht ich immer noch die Öknonomie verstehe ! Trotzdem scheint es doch wirklich so zu sein, daß Geld, auch wenn es nur aus Bits in Computern besteht, aus dem Nichts "geschöpft" werden kann. Siehe z.B. das Video

http://video.google.de/videoplay?docid=-9050474362583451279

oder den Wikipedia-Artikel

http://de.wikipedia.org/wiki/Geldsch%C3%B6pfung

Noch besser scheint folgender Artikel zu sein:

http://rpoth.at/econ_creation.shtml

Ich wünsche mir aber eine knappe Auflistung und Bilanzierung der Transaktionen bei der Geldschöpfung. Den naiven Vorgang ohne Geldvermehrung kriege ich noch selber hin:

t1: S --100--> B (Sparkonto-Kunde S zahlt 100€ in sein Bankkonto)
t2: B --100--> K (Bank B gibt Kunden K einen Kredit von 100€)
t3: K --150--> B (Kunde zahlt Kredit zurück plus 50€ Zinsen)
t4: B --110--> S (Sparkunde S hebt seine 100€ ab plus 10€ Zinsen)
----------------------
Bilanz:
S: +10€
B: +40€
K: -50€
Summe: 0 (Erhaltung)

OK, wie geht das nun mit der Geldvermehrung ? Hat jemand da draußen die Energie, obigen rpoth-Artikel in dieser Weise aufzuarbeiten ? (-:

Gerade fällt mir noch ein: Es wäre gut, wenn die Bilanzierung soweit getrieben wird, daß man den letztendlichen Effekt der finanziellen Transaktionen auf den physikalischen Zustand der Welt sehen kann. Also z.B. könnte S ein Bauer sein, der die 100€ ursprünglich durch den Verkauf seiner Kartoffeln erarbeitet hat. Und so weiter ...
hans Offline



Beiträge: 9

02.02.2009 21:45
#10 RE: Arbeit und Lohn antworten

Es werde Geld!:
Der meiner Meinung nach wesentliche Punkt wird in dem Artikel http://rpoth.at/econ_creation.shtml getroffen:
'...Eines muss unterstrichen werden: Es wäre ein gewaltiges Missverständnis, etwa die gesamten innerhalb einer Periode vergebenen Kredite als "Geldschöpfung aus dem Nichts" zu verstehen. Natürlich werden die verschiedenen Geldformen ständig ineinander transformiert (Bargeld in Giralgeld, Kreditforderungen, Anleihen und zurück etc.) und insofern laufend "vernichtet" und "neu geschaffen". Dieser ständige Transformationsprozess umfasst letztlich alles, dem überhaupt ein "Geldwert" beigemessen werden kann, also auch Aktien, Immobilien, Kapital in Form von Produktionsmitteln und selbst ganze Unternehmen.'

Das trifft so ziemlich genau den Punkt, auf den ich raus wollte. Das 'selbst' im letzten Satz würde ich aber durch ein 'selbstverständlich' ersetzen und auf beliebige Untereinheiten des Wirtschaftssystems ausdehnen.
Ich bleibe mal bei meiner These: Geldschöpfung bei konstanter Warenmenge und Proportionalität zwischen Warenmenge und Geldmenge geht nur über örtliche und/oder zeitliche (Geld von zukünftigen Nachkommen --> 'Generationenvertrag') Fluktuationen. Ansonsten bleiben dann nur noch die Parameter Warenmenge (Verändern der Warenmenge, Verändern der Produktlebensdauer) und Proportionalitätsfaktor (Ändern des nominellen Werts: Inflation/Deflation). Nicht sicher bin ich mir über den Einfluss der Produktlebensdauer.

Insbesondere ist auch die wechselseitige Beeinflussung der Parameter als von fundamentaler Bedeutung für die Entwicklung des Systems einer tiefergehenden Betrachtung wert.

Ansonsten bin ich jetzt wirklich zu faul, die angegebenen Artikel durchzuarbeiten. Würde mich aber auch sehr über eine Zusammenfassung der Kernthesen freuen.

Wer den Mechanismus zum Geldschöpfen wirklich verstanden hat möge mich einweihen. Ich prophezeie uns eine goldene Zukunft....

hans Offline



Beiträge: 9

02.02.2009 21:59
#11 RE: Arbeit und Lohn antworten

Kennst du das Rätsel:
Drei Kinder kaufen einen Ball für 30€, jedes gibt 10€. Nachdem die Kinder aus dem Laden sind, fällt dem Verkäufer auf, dass der Ball nur 25€ gekostet hätte und schickt den Azubi mit 5€ den Kindern hinterher. Der Azubi ist nicht blöd, behält 2€ und gibt jedem der Kinder nur 1€ zurück. Nun hat jedes Kind 9€ bezahlt, der Azubi hat 2€ kassiert, zusammen macht das 29€. Wo ist der letzte Euro geblieben?

hans Offline



Beiträge: 9

02.02.2009 22:43
#12 RE: Arbeit und Lohn antworten

Es ist in der Tat absolut unfassbar, wie wenig die Leute zu wissen gewillt sind. Dein Beispiel war jetzt von einer Schülerin am Gymnasium, man sollte sich auch mal Schüler von Real- und Hauptschulen ansehen.

Es fängt alles viel weiter unten an: Was soll man von Leuten erwarten, die nicht mal schreiben und lesen können:
http://de.wikipedia.org/wiki/Analphabetismus: "In Deutschland sind 2004 nach Schätzungen 0,6 % der Erwachsenen totale sowie zwischen etwa 6,5 % und 11,2 % funktionale Analphabeten. " Über 11% der Menschen in Deutschland kommen nicht über das Kombinieren von einzelnen Buchstaben zu einfachen Wörtern hinaus. Erschreckend.

Eine ganz wesentliche Basis für den Unwillen zur Bildung stellt meiner Meinung nach die religiöse Erziehung dar: Hier wird den Kindern vermittelt, dass der Glaube mindestens gleichwertig zum Wissen ist. Wenn man das den Kindern von klein auf eintrichtert braucht man sich nicht wirklich wundern. Wenn man sich mit so erzogenen Menschen unterhält, ist es praktisch unmöglich, eine auf Wissen basierende Meinung gegen eine geglaubte Meinung zu verteidigen.

Ich denke, hier wäre der Hebel anzusetzen: Meinungen sollten bewertet werden dürfen nach Kompetenzgehalt, das ist zur Zeit praktisch verboten. So etwas könnte sich z.B. widerspiegeln in Wahl- und Abstimmungssystemen.




Emmeran ( Gast )
Beiträge:

07.02.2009 15:14
#13 RE: Arbeit und Lohn antworten

Zum Thema Geld im amerikanischen Finanzsystem, im Bezug auf erzeugen und vernichten, hab ich hier dieses relativ anschauliche Video gefunden
http://www.youtube.com/watch?v=xNehYxy77RI&feature=related

hans Offline



Beiträge: 9

28.03.2009 12:07
#14 RE: Arbeit und Lohn antworten

In Antwort auf:

> Nebendiagonale der Antwortmatrix
Denkst du ernsthaft, die Meinung der Nicht-Betroffenen zu einem Thema sollte mehr Gewicht haben als das der Betroffenen ? Aus früheren Diskussionen mit Dir weiß ich, daß Du auch ein Befürworter der Kompetenz-Gewichtung bist. Du würdest also Fragen gerne von Leuten entscheiden lassen, die objektiv ihre Kompetenz in der jeweiligen Sache nachgewiesen haben, aber selbst nicht betroffen sind ?



Aktuell läuft hier in Berlin der Volksentscheid zu ProReli (es geht um den Ersatz des hier verpflichtenden Ethikunterrichts für alle Schüler mit optionaler Möglichkeit zu Religionsunterricht durch Entscheidungszwang zu konfessionsgebundenem Religionsunterricht/Ethik als vorrückungsentscheidendes Wahlpflichtfach, z.B. http://proethik.humanistische-union.de/).
Ich vermute, das Abstimmungsergebnis wird im wesentlichen die Verteilung religiös-frei widerspiegeln, d.h. in der Matrix religiös-frei vs. Entscheidung dafür-dagegen finden sich die meisten Einträge auf der Hauptdiagonalen. Ich unterstelle, dass die Personen auf der Nebendiagonale ihre Entscheidung im Durchschnitt überlegter (kompetenter) getroffen haben. Wahrscheinlich hat ein Religiöser mit Entscheidung gegen ProReli überlegtere (wenn auch nicht unbedingt bessere) Gründe, als ein Konfessionsloser mit gleicher Entscheidung, bzw. umgekehrt bei Entscheidung dafür. Im Gegensatz zu den Hauptdiagonalentscheidern haben die Nebendiagonalentscheider aber praktisch kein Gewicht, da sie zahlenmäßig deutlich unterlegen sind. Ich wähne starke Ähnlichkeiten zu dem aus der Medizin bekannten Prävalenzparadoxon.

Ich würde den Nebendiagonallern nicht die volle Entscheidung überlassen wollen, aber man sollte einen Weg finden, diese angemessen zu berücksichtigen.

Ausserdem:
In Antwort auf:

Andererseits wissen aber die Betroffenen meist am besten, worauf es in ihrem Feld ankommt.


In meinem Weltbild ist 'theologische Kompetenz' ein nicht zu überbietender Widerspruch, das Abstrusum schlechthin. Die wahren Entscheider sollten sich nach meiner Meinung daher ausschließlich in der Matrixzeile 'frei' wiederfinden, und zwar in allen Entscheidungen, aber das ist eine andere Diskussion.

Ich halte an dieser Stelle auch den 'Dunning-Kruger Effekt' für einen wesentlichen Einflussfaktor. Dieser erzeugt eine deutliche Verzerrung von Abstimmungsergebnissen in Richtung Inkompetenz (http://de.wikipedia.org/wiki/Dunning-Kruger-Effekt). Bei Abstimmungen mit stark asymmetrischem Kompetenzgrad ergibt sich eine kaum zu verantwortende Benachteiligung der Wissenden.

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